Zum Abschluss des Schülerleseprojektes „Ziemlich beste Freunde“ besuchte Samuel Koch am Dienstag, dem 20. Januar, Schülerinnen und Schüler des Berufsgrundschuljahres des Adolph-Kolping-Berufskollegs.

Zusammen mit Schulleiter Martin Lohmann und VHS-Direktorin Anna Ringbeck empfingen sie den 27-jährigen Schauspieler. Er las Auszüge aus seinem Buch „Zwei Leben“, in dem er seine Turnerkarriere, sein Studium an der Schauspielschule in Hannover, seinen dramatischen Unfall in der Fernsehsendung „Wetten, dass...“ 2010 und seine Rehabilitation in einer Schweizer Klinik beschreibt.

„Ich sehe mein Leben aber nicht als zwei Leben, vor und nach dem Ereignis, von dem Sie ja vielleicht gehört haben“, lächelt der ehemalige Leistungssportler. „Ich sehe vor allem das, was ich noch kann.“ Noch heute trainiere er regelmäßig, um seine Muskulatur zu stärken, doch bewegen könne er sich durch eine Einblutung  mit Rückenmarksquetschung halsabwärts nicht mehr.

Die Schülerinnen und Schüler nahmen das Angebot zum persönlichen Gespräch mit Samuel Koch gerne an. Was mit dem früheren Freundeskreis geworden sei? Ein Kern sei ihm geblieben, nicht aber seine früheren Vereinskollegen oder die Bundeswehr. Die Frage eines Schülers, ob er vor dem Sprung Unsicherheit verspürt hätte, verneint er, mindestens 500 Mal habe er den Sprung trainiert und sei sehr konzentriert gewesen. Ob er vor dem Sprung gedacht hätte, dass etwas passieren könne. „Die schlimmste Vorstellung war, ich breche mir beide Beine, bei der kleinsten Unsicherheit hätte ich den Sprungversuch abgebrochen“.

Die Schülerinnen und Schüler wollten wissen, warum er so positiv denke, obwohl er „etwas wirklich Krasses“ erlebt habe, und ob er oft an früher dächte. „Meine Vergangenheit ist kein Museum, in dem ich Vergangenes stapele, aber ich trauere schon vielen Dingen nach“, erwähnt er. Etwa Snowboarden und das Tanzen, das er während des Schauspielunterrichtes entdeckt habe.  Was er mit seiner Zeit mache, nachdem er nicht mehr fünf Tage die Woche trainiere? Seine Arbeit als Schauspieler motiviere ihn, und er treffe auf sehr viele nette Menschen, ein Privileg, wie er sagt.  

Das mehr als einstündige Gespräch sei zutiefst persönlich und sehr authentisch gewesen, bedankte sich der Schulleiter Lohmann zum Abschied herzlich bei Samuel Koch.

Den Besuch hatten VHS-Dozentin Julia Kuhlmann und Deutschlehrerin Christina Kohle ermöglicht. Behinderung und Tod seien Themen, mit denen sich die Schülerinnen und Schüler nicht nur während des Lesens des Bestsellers „Ziemlich beste Freunde“ in einfacher Sprache, sondern auch bei einem Besuch eines Hospizes und bei einer Rollstuhlrallye durch Münster beschäftigt hätten, so Projektleiterin Julia Kuhlmann. Die Gronauer Firma „KID(Z) & CO mobility“ hatte das Projekt unterstützt. Für die Erkundungstour durch die Stadt und über die Promenade konnte der Kurs unterschiedliche Rollstühle ausprobieren. Das Gefühl der Querschnittlähmung, die damit verbundenen Schmerzen und alltäglichen Probleme seien jedoch für Gesunde kaum vorstellbar, es gäbe so viele Hürden im Alltag, diese Erfahrungen machten die Schülerinnen und Schüler bei ihrer Rallye. „Wie würde ich mich fühlen, wenn ich behindert wäre“, darüber schrieben die Schülerinnen und Schüler eigene Texte und sie konnten nach dem Besuch von Samuel Koch seine Haltung verstehen: „Ich kann mir nicht anmaßen, irgendjemandem etwas mitzugeben, achten Sie einfach auf Ihr Bauchgefühl, wenn Sie eine Entscheidung treffen“, meint er, und ist neugierig auf sein weiteres Leben.

Das Leseprojekt „Ziemlich beste Freunde“ hatte der Freundeskreis der Volkshochschule Münster finanziell unterstützt.

 

Text: Kooperation AKBK und VHS Münster