In der Internationalen Klasse mit Förderbedarf (IFK) haben wir seit Herbst 2014 etliche berufschulpflichtige Menschen am Adolph-Kolping-Berufskolleg willkommen geheißen und unterrichtet, die aus ihrer Heimat nach Deutschland flüchten mussten und über kaum oder keine Deutschkenntnisse verfügen. Das übergeordnete Ziel ist es, den jungen Menschen die Integration in die deutsche Gesellschaft durch Sprachkurse und Einblicke in die deutsche Kultur zu erleichtern. Gleichzeitig will unsere Schule durch die Betreuung für Vertrauen der Schülerinnen und Schüler in unsere gesellschaftlichen Strukturen und Institutionen werben, sowie ihr Selbstvertrauen und ihr Bewusstsein für persönliche Stärken, Schwächen und Wünsche fördern.

Viele Dinge, die für uns alltäglich sind, sind für diese jungen Menschen völlig neu. Das Lernen einer unbekannten Sprache erfordert ein hohes Maß an Motivation, Konzentration und Energie.
Als Abwechslung zur "trockenen" Wortschatzarbeit haben die Schülerinnen und Schüler sich im Unterricht gegenseitig über ihre Herkunft und die Umstände ihrer Flucht berichtet. Das Interesse daran war so groß, dass sie gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern ein Werkstattprojekt entwickelt haben. Dabei haben sie zunächst gebrauchte Holzlatten recycelt, gesäubert und geschliffen. Mit Hilfe von Holzbearbeitungswerkzeugen haben sie dann ihre jeweiligen Geburtsstädte, Geburtsländer und deren Entfernung zu Münster darin eingearbeitet. Die anschließende Lackierung und die geografische Ausrichtung der Wegweiser rundeten das Projekt im praktischen Werkstattunterricht ab.

Dieses „praktische“ Unterrichtsprojekt vermittelte den Schülerinnen und Schülern mehrere Erfolgserlebnisse. Zum einem konnten sie nicht erwartete handwerkliche Fertigkeiten an sich entdecken oder entfalten, einige Teilnehmer entwickelten daraus sogar einen konkreten Berufswunsch im Handwerk. Um dies zu verwirklichen besuchen diese Schüler nun eine weiterführende Klasse am Adolph-Kolping-Berufskolleg. Zum anderen ergaben sich während des Arbeitens ungezwungene Kommunikationsmöglichkeiten, in denen der frisch erworbene Wortschatz Anwendung fand.

Besonders rührende Erlebnisse ergaben sich in Augenblicken, wenn die Schülerinnen und Schüler vor dem Ergebnis ihrer Arbeit voller Stolz noch mehr von ihrer Heimat erzählen konnten.
Viele Schüler haben das letzte Schuljahr erfolgreich abgeschlossen. 34 Schülerinnen und Schüler aus über 14 verschiedenen Nationen besuchen im aktuellen Schuljahr 2015/2016 die Internationalen Förderklasse, wo sie überwiegend von Frau Brüggemeyer und Herrn Zimmer unterrichtet werden. Auch für dieses Jahr sind ähnliche praktische und künstlerische Projekte geplant.



Text: Martin Zimmer und Werner Grundhoff
Fotos: Martin Zimmer