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Team-Meeting der Bydgoszcz-Partnerschaft – Interview mit den polnischen Kolleginnen



In der Woche vor den Osterferien kam es zur zweiten Begegnung der neuen Generation der Schulpartnerschaft des Adolph-Kolping-Berufskollegs, vertreten durch Manfred Kluthe und Bernhard Laukötter, mit der Delegation des Lyceum Państwowy Zespół Szkół Plastycznych Leona Wyczółkowskiego, kurz PZSP aus Bydgoszcz (Polen). Nachdem ersten Treffen im vergangenen Dezember in Bydgoszcz folgte nun der Gegenbesuch in Münster. In einem Interview im neuen „Bydgoszcz-Zimmer“ im Verwaltungstrakt unserer Schule gaben die polnischen Kolleginnen Karolina Górska und Agnieszka Elwertowska dem PreDok-Team (in fließendem Englisch) Auskunft über die geplanten künftigen Aktivitäten der Schulpartnerschaft.

Interviev

PreDok: Bitte stellen Sie sich unseren Lesern kurz vor.

K. Górska: Mein Name ist Karolina Górska. Ich bin 29 Jahre alt und seit einem halben Jahr an der PZSP in Bydgoszcz als Lehrerin für Grafikdesign tätig. Ich habe genau wie Agnieszka an der Nikolaus-Kopernikus-Universität in Toruń studiert.

A. Elwertowska: Mein Name ist Agnieszka Elwertowska. Ich bin 28 Jahre alt und seit zwei Jahren als Lehrerin für Kunst und Malerei an der PZSP beschäftigt. Ich bin bereits vor elf Jahren im Zuge unserer Schulpartnerschaft als Schülerin für eine Woche in Münster gewesen. Deshalb ist es für mich heute als Lehrerin an der PZSP Leona Wyczółkowskiego sehr wichtig diese Schulpartnerschaft zu unterstützen.

Predok: Was genau ist Ihre Schule, das PZSP Leona Wyczółkowskiego in Bydgoszcz?

A. Elwertowska: Das PZSP Leona Wyczółkowskiego ist eine der besten Kunstschulen Polens. Es ist traditionell als Lyceum etabliert, in dem Schüler von 16 bis 19 Jahren unterrichtet werden. Neuerdings ist aber auch ein gymnasialer Zweig eingerichtet worden, wo nun auch Schüler von 13 bis 16 Jahren unterrichtet werden. In der jährlichen nationalen Ausscheidung unter den 23 polnischen Kunstschulen belegen wir seit fünf Jahren den ersten Platz in den Disziplinen Malerei und Zeichnen.

PreDok: Warum sprechen Sie beide so gut Englisch?

K. Górska: Alle unsere Schülerinnen und Schüler lernen heute obligatorisch Englisch und auch wahlweise Deutsch und sind zur Kommunikation und Konversation fähig, es ist anders als noch zur Zeit des „eisernen Vorhangs“. Ich persönlich habe durch verschiedene Aufenthalte in den USA im Rahmen meines Studiums und dem „Work and Travel“-Programm meine Englischkenntnisse vertieft und Agnieszka durch Studienaufenthalte in internationalen Camps und Plen-Airs in Italien.

PreDok: Was ist „neu“ an unserer deutsch-polnischen Schulpartnerschaft?

K. Górska: Zunächst einmal hat auf beiden Seiten ein Generationswechsel stattgefunden. Auf polnischer Seite ist eine der Hauptstützen der Schulpartnerschaft, die Deutschlehrerin Maigorzata Macijewska, aufgrund ihrer Pensionierung ausgeschieden. Gleiches gilt auf deutscher Seite für die sehr geschätzten Kollegen Dr. Jochen Hubrich und Konrad Buschermöhle. Neu sind also zunächst einmal die Köpfe der Schulpartnerschaft. Neu soll aber auch das Konzept sein. Oder besser gesagt, es soll eine Rückbesinnung auf den Urgedanken der Schulpartnerschaft stattfinden. Das bedeutet, dass wir uns wieder in erster Linie einer künstlerisch-gestalterischen Kooperation zuwenden wollen, mit gemeinsam initiierten künstlerischen Prozessen, Produkten und Ausstellungen. Der kulturelle und touristische Aspekt, der in den letzten Jahren immer mehr in den Vordergrund getreten ist, soll natürlich auch weiterhin gepflegt werden, aber im Mittelpunkt steht die gemeinsame Kunst und Gestaltung, wie es unsere Pioniere seinerzeit auch gewollt haben.

PreDok: Welche Aktivitäten planen Sie mit Ihren deutschen Kollegen Manfred Kluthe und Bernhard Laukötter im Rahmen der Schulpartnerschaft?

K. Górska: Auch bei den künftigen Aktivitäten verfolgen wir ein neues Konzept, das wir auf unserem Treffen in Münster abgestimmt haben. Geplant sind Austauschaktivitäten zwischen kompletten Klassen im jährlichen Wechsel. Das heißt, dass im September 2009 der Besuch der deutschen Schüler in Bydgoszcz stattfinden wird. Das Thema des ersten Jahres wird es sein, die jeweilige Partnerstadt zu präsentieren. Die Schüler initiieren, entwickeln und erarbeiten in bilateralen Zweierteams Themen aus den Bereichen Geschichte, Kunst, Architektur, Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft ihrer Heimatstadt und kommen zu einer produktiven inhaltlichen und gestalterischen Kooperation und Umsetzung. Hierbei kommt es zu einem intensiven persönlichen Kontakt und Austausch zweier Kulturen und zweier Sichtweisen. Es entstehen dann in einem etwa einjährigen Prozess je Team zwei Arbeiten zu einem Thema, das heißt, jeder Schüler produziert seine eigene Arbeit. Im Jahre 2010 erfolgt der Gegenbesuch der polnischen Schüler. Dies ist zugleich das zwanzigjährige Jubiläum unserer Schulpartnerschaft und wir planen eine Präsentation und Ausstellung der entstandenen Arbeiten in Münster.

PreDok: Wie kommunizieren die Schülerteams während ihrer Arbeitsphase?

A. Elwertowska: Die Kommunikation der Schüler erfolgt in Englisch. Fast alle polnischen Schüler haben wie die deutschen privaten Zugang zum Internet. Falls dies nicht möglich ist, bietet ihnen die Schule Internetarbeitsplätze an. Damit ist eine Kommunikation per E-Mail, Chat oder Skype möglich. Außerdem soll eine gemeinsame Website entwickelt werden.

PreDok: Was erwartet die deutschen Schüler im September in Polen?

K. Górska: Die deutschen Schüler werden während ihres Besuches in Polen im Internat unserer Schule untergebracht, dort wohnen sie in Doppelzimmern und werden auch verpflegt. Sie werden in den Werkstätten und Ateliers unserer Schule oder auf Plen-Airs außerhalb der Schule in der Stadt oder in Parks arbeiten, was sehr reizvoll ist. Liebhaber bezeichnen Bydgoszcz immerhin als das „polnische Venedig“. Es ist eine architektonisch interessante Stadt mit einem sehr jugendlichen Flair, das vor allem durch die Studenten geprägt wird. Ein weiterer Höhepunkt ist der Besuch der gotischen Universitätsstadt Toruń . Sie ist die Geburtsstadt von Nikolaus Kopernikus und seit einigen Jahren UNO-Weltkulturerbe.

A. Elwertowska: Der besondere Reiz der Begegnung der deutschen mit den polnischen Schülern liegt in der Begegnung zwischen der alten und neuen Technik. Während die Adolph-Kolping-Schüler eher die neuen computergestützten Techniken und das Grafikdesign erlernen, stehen im Curriculum der polnischen Schüler eher die traditionellen künstlerischen Techniken wie Aktmalerei oder Stillleben im Vordergrund.

PreDok: Was wünschen Sie sich von der Schulpartnerschaft?

K. Górska: Wir möchten in einen permanenten Austausch von Erfahrungen mit dem Adolph-Kolping-Berufskolleg treten, Münster soll die gestalterische Technik und Bydgoszcz soll die künstlerische Tradition repräsentieren. Wir wollen in einem produktiven Prozess zusammen arbeiten und lernen. Aber unser größter Wunsch ist es, möglichst viele Schüler und auch Lehrer dazu zu bringen uns zu besuchen. Kommt nach Bydgoszcz!


Text und Bilder: Werner Grundhoff



Adolph-Kolping-Berufskolleg

Lotharingerstraße 30
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Tel: 0251 - 48247 0
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